Rubens Barrichello hatte einen der schnellsten Aufstiege vom Kartsport in die Formel 1 - Kimi Räikkönen einmal ausgenommen. Im Alter von 17 Jahren hatte er fünf nationale Kart-Titel und gewann im Jahr darauf die GM Euroseries. Als nächstes kam für ihn die Formel 3, wo er 1991 für West Surrey Racing den Titel gewann. Als er ein Jahr später in der Formel 3000 antrat hatte er wenig Erfolg, wurde aber immer noch Dritter und war mit seinem 21. Geburtstag bereit für die Formel 1.
Sein Formel-1-Debüt feierte er 1993 im Auto von Eddie Jordan beim Grand Prix von Südafrika. Er qualifizierte sich als 14., aber in der 31. Runde hatte er einen Getriebeschaden. In seinem dritten Rennen wurde er dann beinahe schon Zweiter hinter seinem Helden und Landsmann Ayrton Senna. Aber Probleme mit dem Benzin verhinderten das gute Ergebnis. 1994 holte er dann seine erste Pole Position, als es in Spa Francorchamps am Samstag regnete und er am Freitag die beste Zeit im ersten Qualifying gefahren hatte.
In diesem Jahr kam er im Pacific Grand Prix auf den dritten Platz und war noch zwei Mal Vierter. 1995 kämpfte er mit mechanischen Gebrechen, aber beim Grand Prix in Kanada erreichte er seinen ersten zweiten Platz. Barrichello blieb bis 1997 bei Jordan als er bei Stewart unterschrieb. Er holte in diesem Jahr die einzigen Punkte für den Rennstall, als er in Monaco Zweiter wurde. Auch 1998 stellte sich nicht der große Erfolg ein. Er hatte zwei fünfte Plätze in Spanien und Kanada, schied neun Mal aus und eine Verletzung, die er sich beim Startunfall in Belgien zuzog, verhinderte, dass er beim Neustart dabei sein konnte. Deswegen beendete er die Saison auch nur auf dem zwölften Platz und hatte gerade einmal vier Punkte auf dem Konto.
1999 hatte er dann Johnny Herbert als Teamkollegen und nach einem viel versprechenden Start in die Saison, hatte das Auto oft Defekte. Wenn es keine Defekte gab, dann zeigte er aber starke Leistungen und erreichte sogar einmal die Pole Position, als es im Qualifying nass war, was alle Fahrer überraschte. Zur Mitte der Saison wurde dann eines der am schlechtesten gehüteten Geheimnisse gelüftet und sein Wechsel zu Ferrari im Jahr 2000 bekannt gegeben.
Die Saison 2000 war eine, die Barrichello nie vergessen wird. Das Jahr begann er mit der Hoffnung, seinen und auch den Traum seiner Landsleute vom Erfolg zu erfüllen. Der erste Sieg seiner Laufbahn in Hockenheim ist einer, der nicht in seinem, sondern im Gedächtnis aller Formel-1-Fans für lange Zeit bleiben wird. Die Tränen rannen ganz offen an ihm herunter als er zum ersten Mal auf der höchsten Stufe des Podests stand. Seine Leistungen während der Saison trugen dazu bei, dass Ferrari den Konstrukteurs-Titel holen konnte und der Brasilianer in der Fahrer-Wertung Vierter wurde.
Obwohl 2001 keine weiteren Siege dazu kamen, kämpfte Barrichello mit McLaren-Pilot David Coulthard um den zweiten Platz in der Fahrerwertung. Er schaffte es aber nicht, den Schotten zu überflügeln und musste sich schließlich mit Rang drei begnügen. 2002 holte er sich dann vier weitere Siege, wobei jener in den USA besonders bizarr war. Zusammen mit seinem Teamkollegen Michael Schumacher wollte er Geschichte schreiben, indem man mit dem kleinsten Abstand der Formel-1-Geschichte über die Ziellinie fuhr. Es funktionierte aber nicht wie geplant und Barrichello schnappte sich den Sieg von Schumacher.
Nachdem er 2002 den zweiten Rang in der Fahrer-WM hinter seinem Teamkollegen holen konnte, hatte Barrichello eine, nach Ferrari Maßstäben, schlechte Saison 2003. Kimi Räikkönen und Juan Pablo Montoya lagen zwischen dem Brasilianer und dem Weltmeister und Teamkollegen Michael Schumacher.
2004 erreichte Barrichello zwei Siege, wobei er beide einfuhr nachdem Schumacher bereits den Titel in der Tasche hatte. Nun ließe sich argumentieren, dass die Dominanz des Ferrari Teams in der Formel 1 zu diesem Zeitpunkt so groß war, dass alles andere als der zweite Platz in der Weltmeisterschaft für Barrichello als Misserfolg gewertet worden wäre. Er erreichte in diesem Jahr auch den zweiten Platz und stand insgesamt zwölf Mal auf dem Podium.
Genau wie das ganze Ferrari-Team und auch Michael Schumacher hatte Barrichello 2005 so seine Probleme. Das Paket aus Bridgestone-Reifen und Ferrari wurde von der Konkurrenz eindeutig besiegt. Der Brasilianer erreichte nur vier Mal das Podium und war am Ende enttäuschender Achter in der WM.
Nach seiner Zeit im Schatten von Michael Schumacher nutzte Barrichello die Chance, sich 2006 Honda anzuschließen. Es war ein langsamer Start für Barrichello, da er Probleme mit der Charakteristik seines Honda-Michelin-Pakets hatte, obwohl er vor der Saison tausende Testkilometer gefahren war. Es dauerte bis zur zweiten Mitte des Jahres bis Barrichello auf dem Level seines Teamkollegen Jenson Button angekommen war. Der Brasilianer kam in seiner ersten Saison bei Honda nicht auf das Podest, wird das 2007 aber ändern wollen.